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Bonner Meisterkonzerte Klassische Gitarre | Konzerte/Meisterkurse / Concerts/Masterclasses
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Konzerte/Meisterkurse / Concerts/Masterclasses


Dates:

Important masterclasses:

"Mikulov Festival", Czech Republic
http://www.guitarfestivalmikulov.com
 


 

15. - 19. September 2004 "Gitarre Intensiv"mit dem DUO SONARE
Landesmusikakademie NRW e.V.
E-mail: info@landesmusikakademie-nrw.de
Postfach 2153
48616 Heek - Nienborg
TEL.: 0 25 68 /93 05-0 FAX: 0 25 68/ 10 62

Rezension Heek 2001

Dozenten: 
DUO SONARE (Thomas Offermann und Jens Wagner, Karl-Heinz Römmich (Gitarrenbau) sowie Axel Weidenfeld (Musikwissenschaftler)

Der Einzelunterricht wird umrahmt von den Vorträgen des Musikwissenschaftlers Axel Weidenfeld und des Gitarrenbauers Karl- Heinz Römmich. Das täglicheTechnikseminar und Ensemblespiel bieten den Teilnehmern neue Einblicke in das Gitarrenspiel und die hohe Kunst des gemeinsamen Musizierens.

Die Angebot im Einzelnen:
Jeder Teilnehmer erhält nach Teilnehmer-Anzahl Unterrichsstunden bei beiden Dozenten, mindestens aber insgesamt drei Unterrichtsstunden (alle Leistungsstufen).
Zusätzliche Veranstaltungen:
Tägliches Technikseminar/ Tägliches Ensemblespiel (Einstudieren von Werken mit dem Kursensemble) / Abschlußkonzert / Videoarbeit/ Vortrag des Musikwissenschaftlers Axel Weidenfeld / Vortrag des Gitarrenbauers Karl- Heinz Römmich / Gitarrenreparaturen von Karl- Heinz Römmich / Abendlicher Kneipenbesuch in der Burgschenke

Landesmusikakademie NRW in Heek/Nienborg

Kursgebühr: € 130,-
Unterkunft und Vollverpflegung: € 32,- / erm. € 24,- pro kompletten Seminartag

Kontaktmöglichkeit:
Thomas Offermann (030-84107380)
Jens Wagner (0421-3491017)

Landesmusikakademie NRW e.V.
Postfach 2153
48616 Heek - Nienborg
http://www.landesmusikakademie-nrw.de/
TEL.: 0 25 68 /93 05-0 FAX: 0 25 68/ 10 62

 
 


Richtungsweisend: „Gitarre Intensiv“ in Heek
von Jörg Lungenhausen

Kaum zu glauben, daß Heek-Nienborg, eine winzige Gemeinde nahe der holländischen Grenze, zentraler Anlaufpunkt für fortbildungsreisende Musiker aus dem ganzen Land ist.
In diesem bildhübschen Ort, dessen Burg die Umgebung in mittelalterliches Flair taucht, befindet sich die Landesmusikakademie NRW, die mit üppiger Ausstattung an Räumen, Gerät und schönem Ambiente eine optimale Arbeitsatmosphäre bietet.
Mit „Gitarre intensiv“ ist 1996 das Kursprogramm erweitert worden.
Seither sind Jens Wagner, Dozent an der Hochschule für Künste in Bremen und Thomas Offermann, Dozent an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock, auch als Lehrer an der Landesmusikakademie etabliert. Beide arbeiten als „Duo Sonare“ zusammen und haben durch Konzerte und Kurse in über 40 Ländern, sowie mit zahlreichen CD- Einspielungen internationale Anerkennung erlangt. Dennoch ganz ohne Star-Allüren, galt ihre volle Hingabe der Gestaltung des Kurses, der in letzten Jahr vom 18.9. bis zum 23. 9. stattfand, sowie dem Unterrichten der Teilnehmer. Jeder erhielt mindestens 2 Lektionen intensiven Einzelunterricht.
Sowohl im Umgang mit Musikstudenten und fortgeschrittenen Musikschülern wie auch mit Hobbygitarristen zeigten sich Jens und Thomas als einfühlsame Pädagogen, die es verstehen, ihren Unterricht auf jeden Schüler individuell abzustimmen.
Mit in die Tiefe gehenden Überlegungen schafft es Jens Wagner, musikalische Probleme ohne Schnörkel auf den Punkt zu bringen. Thomas Offermann arbeitet mit Akribie und Leidenschaft, in seiner Gegenwart bekommt man einfach Lust zu spielen.
Trotz oder gerade wegen ihrer oft unterschiedlichen Temperamente ist ihre Zusammenarbeit, nicht zuletzt auch für die Kursteilnehmer, äußerst fruchtbar.
Beide sind nicht nur Spezialisten auf dem Gebiet der Musik des 19. und 20. Jahrhunderts. Tiefes Verständnis der Renaissancemusik zeigten sie während der Arbeit mit Gert de Vries und Agnes Leopold, einem Duo aus Holland, welches sich mit Vihuela und Laute der Renaissancemusik widmet, und auch schon in den letzten Jahren dabei war.
Auf dem Feld der Spieltechnik werden auch heute noch viele unnütze Traditionen weitergegeben. Ein tiefes Verständnis von der Materie hingegen zeigte Thomas in den nachmittäglichen Technikstunden. Durch sein Wissen über die physikalischen Gegebenheiten beim Spiel und den daraus entwickelten Übungen öffneten sich manchem Kursteilnehmer für die Verbesserung in der Handhabung der Gitarre neue Türen. Ein Kompendium zur Spieltechnik ist, so Thomas, in Arbeit. Wir warten gespannt!
Allzu trostlos ist oftmals das Gitarristenleben, wenn es sich auf monatelanges Üben im stillen Kämmerlein mit dem Ziel einer Tournee durch die umliegenden Kolpinghäuser beschränkt. Mit dem Ensemblespiel gewinnt das Musizieren eine soziale Komponente, darüber hinaus werden Gehör und Aufmerksamkeit geschult. Auch für die Praxis des Gitarrenlehrers in der Musikschule sind Kenntnisse und Fertigkeiten im Bereich des Zusammenspiels unerlässlich.
Mit großer Konzentration und wenig Worten, das Engagement eines jeden einzelnen herausfordernd, schaffte es Jens, mit einem Ensemble aus Instrumentalisten verschiedenster Niveaustufen in kurzer Zeit beachtliche Ergebnisse zu erzielen. Zwei lateinamerikanische Stücke (Al Canaveral Espeso und Vidalita) sowie Dos Piezas von Joaquin Rodrigo standen in diesem Jahr auf dem Programm.
Traditionsgemäß waren Gitarrenbauer Karl-Heinz Römmich und der Musikwissenschaftler Axel Weidenfeld zum Vortrag geladen. Wie wirken sich Temperatur und Klima auf den Klang von Gitarren aus? Welche verschiedenen Arten der Verbalkung gibt es? Wie hat sich die Klangästhetik in den letzten Jahrhunderten gewandelt? Interessante Einblicke in den Instrumentenbau, wichtig für jeden, der sich ernsthaft mit der Gitarre auseinandersetzt, gab Karl-Heinz Römmich in seinem Vortrag, der durch eingesponnenes „Gitarrenbauergarn“ auch zur Belustigung beitrug.
Provokativ war der Vortrag von Axel Weidenfeld, der einen Abriß der Geschichte der Gitarre von Sanz bis Limp Bizkit gab. Ist dies die Marke eines Mürbegebäckes für Diabetiker? Nein, es ist eine bedeutende Band aus den USA, von deren Klängen man glauben könnte, daß sie eine Subkultur bedienen. Aber ihre Titel sind in den Charts!
Bis zur Unkenntlichkeit verzerrte und undefinierbare Klänge aus den Lautsprechern, irritierte Gesichter bei den Teilnehmern. Dann Michael Mittermayers Version von „Kumbayah my Lord“, ein Lied, welches noch von Singabenden während Schullandheimaufenthalten bekannt ist. Die Neuerungen auf dem Musikmarkt lassen so manchen Gitarrenlehrer, der bislang geglaubt hat, der Bereich Popularmusik lasse sich durch Beatles, gesetzt für klassische Gitarre abhandeln, alt aussehen.
Was muß ein Musikpädagoge heute kennen und können, um im Unterricht möglichst viele Jugendliche zu erreichen? Geht es nicht zu weit, die Gitarre in den krudesten Stimmungen zu benutzen und mit einer Spieltechnik zu bedienen, die weißgott keines Unterrichts bedarf? Oder gibt es Analogien zu den Experimenten der Barockzeit, durch verschiedene Stimmungen die Klangmöglichkeiten der Gitarre zu erweitern?
Steht der Gitarrenunterricht heute immer noch zu sehr in der Tradition der 70ger Jahre, in denen die Gitarre außerhalb der Kunstmusik im Kreise der Gitarrenlehrer mit akademischer Ausbildung keine Geltung hatte? Wurden historische Vorlagen einfacher Schrummelmusik bei der Bearbeitung für die Gitarre nicht verschämt ausgespart, um diese Komponente des Gitarrespiels zu verbergen?
Viele Denkanstöße also, um die eigene Position in der gitarristischen Welt neu zu bestimmen und Stoff für lang andauernde, kontroverse Diskussionen bei Bier und Mettwürstchen in der Burgstube.
Am 22. September fand dann schließlich, in unverkrampfter Atmosphäre das Abschlusskonzert  im großen Konzertsaal des Hauptgebäudes der Akademie statt.  Eine Videoaufzeichnung gab den Teilnehmern die Chance, ihre eigene Performance auf dem Bildschirm zu sehen, um Anhaltspunkte für die Verbesserung der Bühnenpräsenz zu bekommen.
Gitarre intensiv ist ein wirklich attraktiver Kurs für jeden, der seinen gitarristischen Blick in vielen Bereichen erweitern möchte, und für sich in Anspruch nimmt, mit der Zeit zu gehen. Der Aufbau einer künstlerischen Identität geschieht im Kontext von historischen und aktuellen Entwicklungen. Inhalte und Organisation dieses Kurses sind in diesem Sinne richtungsweisend.
Wer in diesem Jahr dabei sein möchte, sollte sich bereits den Zeitraum vom 25.9.- 26.9. 2002 freihalten und sich bis zum 1.9. anmelden.